Laut Niederschrift der Dessauer Stadtratssitzung vom 1. Juli 2026 betrifft die Taubenkotproblematik sicherlich die Wohnungsbestände, ist aber auch an Gewerbeimmobilien sichtbar. Betroffen sind damit Mieter, Vermieter und Hausverwaltungen ebenso wie Betriebe.
Wer in Dessau Taubenkot entfernen lassen will, steht vor zwei Fragen: Wie kommt der Kot heraus, ohne dass Staub aufwirbelt, und kommen danach noch Tauben hinein? Beides sehen wir uns vor Ort an, in ganz Dessau mit Roßlau sowie in Coswig (Anhalt), Oranienbaum-Wörlitz und Aken (Elbe).
Taubenkot: Pflichten bei Arbeitsschutz und Abfall
Die DGUV Information 201-031 ordnet die Mikroorganismen im Taubenkot als biologische Arbeitsstoffe im Sinne der Biostoffverordnung ein. Lässt ein Vermieter, eine Hausverwaltung oder ein Betrieb in Dessau eigene Beschäftigte daran arbeiten, etwa den Hausmeister, muss die Gefährdung deshalb vor Beginn fachkundig beurteilt werden (§ 4 Abs. 1 BioStoffV). Die DGUV-Schrift selbst enthält nach eigener Angabe Hinweise und Empfehlungen.
Auch als Abfall braucht Taubenkot eine Einordnung. Nach § 2 Abs. 2 der Abfallverzeichnis-Verordnung sind Abfälle einer Abfallart mit sechsstelligem Abfallschlüssel zuzuordnen; Taubenkot führt das Verzeichnis nicht unter eigenem Namen. Wie er einzustufen ist, klärt man deshalb vor der Abfuhr mit dem Entsorger oder der unteren Abfallbehörde. In Dessau ist das laut Stadt das Amt für Umwelt- und Naturschutz am Markt 5 in Roßlau.
Taubenkot in Dessau: Wohnhäuser, Gewerbebauten, Dachböden
Große Taubenbestände verursachen laut Wohnungsverein Dessau oft hohe Reinigungs- und Instandhaltungskosten (Mietermagazin „Miteinander“, Juli 2026, S. 3). Als Arbeitsbereiche mit Taubenkot nennt die DGUV-Schrift unter anderem Gebäudefassaden, Dachstühle, Brücken, Bahnhöfe, alte oder leerstehende Gebäude und andere überdachte Anlagen. Wir kommen zum Dachboden im Mietshaus ebenso wie in die Werkhalle eines Betriebs.
Im Taubenkot ist laut DGUV oft Chlamydophila psittaci anzutreffen, der Erreger der Ornithose. Im Kot infizierter Vögel kann er laut Robert Koch-Institut bei Raumtemperatur selbst ausgetrocknet ca. 4 Wochen infektiös bleiben (Ratgeber, 2010); zugleich nennt das Institut die Ornithose in Deutschland vergleichsweise selten (Jahrbuch 2024). Stämme von Tauben gelten laut einer Fachveröffentlichung der Universität Gießen und der Tiefbau-Berufsgenossenschaft als weniger ansteckend und verursachen in der Regel meist glimpflich verlaufende Erkrankungen (Albrecht et al., 2003).
Taubenkot entfernen: abtrennen, absaugen, dicht verpacken
Für Beschäftigte beschreibt die DGUV-Schrift diesen Weg: Ein geschlossener Raum wie der Dachboden wird abgetrennt, etwa mit Baufolie, damit kein Staub in saubere Bereiche zieht. Aufgenommen wird der Kot mit einem Industriesauger der Kategorie H, festsitzender vorher angefeuchtet und abgeschabt. Dann kommt er in stabile, dicht schließende Behälter wie Spannringfässer, und stark verschmutzte Flächen werden soweit möglich desinfiziert.
Für die Arbeit selbst nennt die Schrift Einwegschutzkleidung mit Kapuze, wasserdichte Handschuhe, Sicherheitsstiefel und Atemschutz mit Gebläse und Partikelfilter; eine FFP3-Maske hält sie nur bei kurzem Kontakt mit wenig Kot für geeignet. Was davon an deinem Dachboden, deiner Loggia oder deinem Gesims nötig ist, klären wir beim Befund vor Ort: wie viel Kot liegt, wie man herankommt und ob ein Raum abgetrennt werden muss.
Taubenkotreinigung in Dessau: Abwarten, Aufwand, Reihenfolge
Liegen lassen macht einen Dachboden nicht sauberer. Austrocknen und monatelanges Lagern töten die Erreger laut DGUV nicht immer ausreichend ab; auf einem Dachboden ohne direkte Sonne kann Kot so über Monate ein hohes infektiöses Risiko behalten. Frischer Kot hat im Allgemeinen das höhere infektiöse Potenzial, alter wird also nicht gefährlicher, nur nicht zuverlässig harmlos. Wichtig bleibt laut der Gießener Fachveröffentlichung, ob Tauben weiter hineinkommen und frischen Kot eintragen.
Wie aufwendig eine Reinigung wird, hängt an Fläche und Schichtdicke, am Zugang und daran, ob ein Raum abgetrennt werden muss. Soll danach eine Abwehr montiert werden, steht die Reinigung am Anfang, denn stark verunreinigte Bereiche sollen laut DGUV vor anderen Arbeiten gereinigt werden. Zum Befund kommen wir von unserem Büro in der Mohsstraße in Siedlung aus.
- DGUV Information 201-031
- Handlungsanleitung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft zu Taubenkot, Ausgabe November 2006; eine neuere Fassung führt die DGUV nicht.
- Bioaerosol
- Kleinste Tröpfchen oder Stäube mit eingelagerten oder anhaftenden Keimen. So werden Erreger aus Taubenkot laut DGUV in der Regel eingeatmet.
- Spannringfass
- Stabiles Fass, dessen Deckel ein Spannring dicht hält. Die DGUV-Schrift nennt es für Taubenkot und hält Plastikbeutel dafür für ungeeignet.
- Ornithose
- Papageienkrankheit, Infektion mit Chlamydophila psittaci. Laut RKI wird der Erreger mit Staub eingeatmet, der mit Vogelkot verunreinigt ist.
- Hygieneaufsicht
- Stelle im Gesundheitsamt Dessau-Roßlau, Telefon 0340 204-1554. Laut Stadt wirkt sie mit, wenn Tauben oder Ratten massenhaft auftreten.
10–12 kg
Nasskot fallen je Taube und Jahr an, ein Wert von Kösters und Korbel (1997), zitiert bei Albrecht et al., Universität Gießen (2003)
2 Stunden
soll zum Lösen angefeuchteter Kot höchstens offen liegen, weil die Feuchte Keime aktiviert (DGUV-Hinweis für Beschäftigte, 2006)
37 Fälle
von Ornithose wurden 2024 in ganz Deutschland an das Robert Koch-Institut übermittelt (Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2024)
Fachwerte ohne Ortsbezug: Keiner der drei Werte wurde in Dessau erhoben. Stand: Albrecht et al. Februar 2003, DGUV Information 201-031 November 2006, RKI-Jahrbuch 2024 (April 2026).